Silbersuite

Leben mit Silber

Das Ei und das Silber neu

.. Geschichte(n) rund um den Eierbecher

Für viele von uns gehört das weichgekochte Ei – zumindest am Sonntag – zu einem perfekten Frühstück. Um so mehr an einem Ostersonntag. Hier kommt es historisch und traditionell  in vielen Zubereitungsarten und in fröhlich bunten Farben auf den Frühstückstisch. Warum? Das Ei galt schon früh in der Kulturgeschichte als Ursprungsort des Menschen. Seit der Christenzeit ist es Sinnbild des Lebens und der Auferstehung. Ausführlicher und welche Rolle der Osterhase dabei spielt, darüber habe ich in einem anderen Oster-Magazin geschrieben „Ei, Ei, Osterei – Silber für das (Oster-) Frühstück“, wen es interessiert. Heute möchte ich auf die Gefäße und silbernen „Modeerscheinungen“ rund um das Ei eingehen. Wie kam das Silber zum Ei oder andersherum, das Ei zum Silber. Gefäße, die das Ei daran hindern davonzurollen, da rund wie es ist, nicht von alleine steht, sind seit dem Römischen Reich belegt. Ein Mosaik aus Antiochia aus der Zeit 40 v. Chr. zeigt eine Mahlzeit mit in Eierbechern stehenden Eiern und Eierlöffeln. Und - man lese und staune - bei Ausgrabungen in Pompeji wurde ein silberner Eierbecher mit dazugehörigem Löffel gefunden.

Geschenk Set
Viele Jahrhunderte kaum vorhanden und nicht erwähnt, kamen Eierbecher im 16. Jahrhundert, vor allem in Adelskreisen wieder in Mode. Waren sie doch Ausdruck von höchster Ess- und Tafelkultur. Bald waren sie an allen europäischen Höfen als kostbare Gefäße aus Gold, Silber und Halbedelsteinen verbreitet. So ließ zum Beispiel 1727 Ludwig XV. sein Goldservice mit aufwendig gefertigten Eierbechern ergänzen. Es war zudem üblich, solche wertvollen Eierbecher zum Jahreswechsel und bei Taufen zu verschenken. Während in Frankreich und England das Ei senkrecht mit der Spitze nach oben im Becher stand und mit einem Löffel gegessen wurde, lag es in Deutschland in der Barockzeit waagrecht in einem ovalen Gefäß und das zu dieser Zeit eher 2 Minuten denn 4 bis 5 Minuten gekochte Ei, wurde mit einem Brotstreifen ausgetunkt. Ein Beispiel dafür sehen wir im „Stillleben mit Nelken“ des Frankfurter Malers Georg Flegel, das um 1630 entstand. Eierbecher mit Doppelfunktion finden sich oft in den sogenannten Mundzeugen: Besteck im Futteral, oft ergänzt durch Becher, Eierbecher und Gewürzdose, das für den ganz persönlichen Gebrauch bestimmt war und auch auf Reisen mitgenommen wurde. Was oft auf Auktionen als Gewürzgefäß oder noch schlimmer als Likörbecher angeboten wird, ist so ein als Einzelstück verbliebener Doppeleierbecher. So konnte man damals entscheiden, ob das Ei „welsch“ (französisch) waagrecht oder „teutsch“, senkrecht verspeist werden sollte. Besonders edle Beispiele stammen von Augsburger Silberschmieden, aber auch in Wien sind diese Doppeleierbecher in bester Qualität zu finden.

Geschenkset mit Eierbecher

und Serviettenring, Paris 1850

welch teuschVon links n. rechts: Ausschnitt, Stillleben von Georg Flegel um 1630, Doppeleierbecher Wien 1802, Doppeleierbecher Wien 1870, Doppeleierbecher Augsburg 1715

Seit ca. Mitte des 18. Jahrhunderts bekamen Gold-und Silbereierbecher durch das „weiße Gold“ Konkurrenz. Porzellanmanufakturen wie Meißen oder Frankenthal ergänzten erstmalig ihre Service mit Eierbechern, andere namhafte Porzellanfirmen folgten erst 100 Jahre später. So behielt auch im 19. Jahrhundert der Silbereierbecher seinen Platz auf den Tischen des Adels und gehobenen Bürgertums. Vor allem in England, wo das gekochte Ei durch die Jahrhunderte ein fester Bestandteil der englischen Frühstückskultur war und ist. Garte man die Eier in der Barockzeit noch auf einem Holzkohlenbecken, das neben dem Esstisch auf einem separaten Beistelltisch plaziert war, wurden ab ca. 1770 die Eier nun in der Küche gekocht, um dann in einem „egg stand„ oder „egg frame“ vom Hausmädchen oder Buttler in das Frühstückzimmer getragen zu werden. Diese wurden zuvor erwärmt und unter einer Warmhalteglocke (meist auch aus Silber) aufbewahrt. Die Eierbecherhalter mit runden, eckigen oder ovalen Grundplatten gab es für 2, 3 bis 6 oder 8 Eierbecher. Manchmal mit Löffelhalterung, viele auch ohne. Was hier ein wenig verwundert, ist, dass die englischen Eierlöffel aus Silber ohne Vergoldungen waren. Abgesehen davon, dass das Silber durch das schwefelhaltige Ei sofort oxidiert und nach jedem Gebrauch geputzt werden sollten, musste es auch einen unangenehmen, metallischen Geschmack im Mund hinterlassen. Eierlöffel sollten deshalb ganz oder wenigsten deren Laffen vergoldet sein, eine schöne Alternative zu Silber sind Perlmutt-Löffel. Beliebt waren vor allem die 3er- und 5er Sets, da zur damaligen Zeit der Herr des Hauses zwei Eier bekam, die Frau sich mit einem Ei zufriedengab. Das erklärt auch die Ständer mit 2 Eierbechern, aber nur einem Löffel – diese wurden als Junggesellen-oder Herrengedeck bezeichnet. Eine weitere englische Spezialität, ist der „egg boiler“ oder "egg coddler“, ein aufwändig gestalteten Eierkocher, mit dem man die Eier wieder am Tisch zubereitete.

Stand Boiler Eierschöpflöffel Holland 1902/29, Eierbecherständer mit 4 Eierbechern London 1820, Tischeierkocher London 1890

Stichwort warm: Weich gekochte Eier, noch dazu alle die unter 4 Minuten, sollten warm gegessen werden und mussten und müssen dementsprechend warmgehalten werden. Dafür gab es ab dem späten 18. Jahrhundert Behälter, aus Silber, blank geputztem Kupfer oder auch bemaltem Blech, die mit warmem Wasser gefüllt wurden. Zum Herausnehmen benutzen die Niederländer ihre landestypischen Eierschöpfer: Löffel mit langen Stielen und einer Laffe, die entweder nur einen Rand hat oder mit einem grobmaschigen Gitter versehen ist, damit das Ei ohne das Wasser auf Teller oder Becher kam. Wie erwähnt, wurden Becher, sowie Ständer vorgewärmt und unter große Hauben gestellt, Ende des 19. Jahrhundert kamen Hauben für das einzelne Ei in Mode – genäht, gehäckelt oder gestrickt. Der wahre Luxus ist natürlich, wenn der Silbereierbecher seine eigene Haube gleich mitbringt, so wie diese 8 Becher aus Sterlingsilber mit feiner Innvergoldung. Die Haube, die mit einem Scharnier versehen, aufklappbar ist, wird zudem von einer Henne bekrönt. Da fühlt sich das Ei wohl!

Haube Stoff Haube SilberEierwärmer aus Stoff, England 1900, Eierbecher mit Silberhaube, wohl Deutschland 20. Jahrhundert

Da ich die Geschichte rund um den Eierbecher im Hinblick auf das kommende Ostersonntag-Frühstück österlich fotografiert habe, möchte ich Ihnen noch kurz beschreiben was sich sonst noch aus dem Tisch befindet. Da haben wir einmal das Tee-und Kaffeeservice aus weißem Porzellan mit Overaly aus Feinsilber 1000/1000. Laut Vorbesitzer stammt es aus den 20er Jahren von der Firma Adolf Besson, gegründet 1892 in Schwäbisch Gmünd und bekannt für seine feinen, durchbrochenen Silberoverlays auf bester Porzellanware. Overlay und die Original- Rohrumwicklung der Kannenhenkel sind in einem wunderbaren Zustand, lediglich am Henkel der Sahnekanne gibt es kleine Fehlstellen im Silber. Brötchen und Osterfladen liegen in Brotkörben aus England und Deutschland um 1920, die Butterdose mit Glaseinsatz im Louis XVI Stil stammt aus Hanau um 1910. Die Frühstücksmesser „Pariser Muster“ sind ein Entwurf von P. Bruckmann & Söhne von 1906. Die Klingen wurden erneuert, das rostfreie Edelstahl hat einen Wellenschliff, was sich beim Aufschneiden von Brötchen sehr bewährt hat. Originell und selten ist das Pärchen in holländischer Tracht als Salzstreuer.

Auf dem Tisch

Wenn Sie jetzt noch etwas Besonderes suchen, mit dem Sie die Eier aus Schokolade, Marzipan oder Krokant verschenken können, habe ich zwei hübsche Vorschläge für Sie. Einmal das englische Körbchen aus London 1822 mit schöner Innenvergoldung und Blumenbordüre auf dem Henkel oder die filigrane Durchbruchschale von P. Bruckmann & Söhne, ein Entwurf der Karl Wahl zugeschrieben ist und auf der Weltausstellung in Barcelona 1929 gezeigt wurde. Als alternatives Ostergeschenk hätte ich da noch eine Hühnerfamilie, eine Glucke mit drei Küken, die Körper aus Halbedelsteinen in Eiform, Köpfe, Flügel und Füße aus Silber- eine witzig-edle Menagerie, nicht nur zu Ostern.

Ostergeschenke

Ich wünsche allen Kunden und Freunden der Silbersuite Frohe Ostern